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Flensburg – Die Rumhauptstadt

Bei Flensburg handelt es sich um eine Hafenstadt und bedeutende Handelsstadt an der Ostsee. Sie ist im Norden von Deutschland im Bundesland Schleswig-Holstein gelegen und spielte über die Jahrhunderte hinweg mehrfach eine wichtige Rolle. Außerdem wird sie nach wie vor als "deutsche Rumstadt" bezeichnet – und das aus gutem Grund. Die Verbindung zum Meer und zur Schifffahrt sowie damit auch zum Handel lässt sich weit zurückverfolgen. So gibt es Beweise dafür, dass der Schiffbau und die Schifffahrt schon im Mittelalter florierten. Flensburg pflegte lang enge Handelsbeziehungen zu den skandinavischen Ländern, allen voran zu Dänemark. Die Flensburger Handelsschiffe fanden zudem ihren Weg in den Mittelmeerraum und ab Mitte des 18. Jahrhunderts in den amerikanischen bzw. karibischen Raum. Mehrere Blütezeiten ließen sich beobachten. Auf unserer Unterseite zum Segelschiff "Neptunus" finden Sie mehr Informationen hierzu, denn 1755 segelte die "Neptunus" als erstes Schiff aus Flensburg nach Dänisch-Westindien. 

Zeitstrahl zur Geschichte Flensburgs und zur Entwicklung als Rumstadt

1864

Deutsch-Dänischer Krieg Abspaltung Flensburgs / Schleswigs bedeutete Verlust von Dänisch-Westindien als Bezugsquelle von Zuckerrohr und Rum Englische Flotte – Jamaika liefert fortan Rohstoffe 

ab 1885

Erhebung von Steuern / hohen Einfuhrzöllen – Flensburger Rumhäuser erfinden den Rum-Verschnitt aus Pure Rum

Anfang des 19. Jh.

Brennverbot von Branntwein aus Weinen – mehr Erfolg
für den Rum in ganz Deutschland

Ende 19. Jh.

Veredelung von Rum führt zum German Rum, der nur in Flensburg hergestellt wird

1939 bis 1945

Zweiter Weltkrieg: die meisten Flensburger Rumhäuser wurden aufgekauft oder geschlossen

2016

Mit Neptuns-Rhum wieder echter Rum aus Flensburg

Flensburger Rum Geschichte: Die wichtigsten Daten

Mitte des 18. Jahrhunderts war die Hafenstadt Flensburg ein Teil des Königreichs Dänemark (genau genommen von 1460 bis 1864). Die Dänen hatten es den Spaniern und Franzosen nachgemacht und in der Neuen Welt Kolonien ergattert, die sich langsam zum Handelszentrum entwickelten. Dänisch-Westindien (Dansk Vestindien) umfasste als dänische Kolonie die Jungferninseln auf den Antillen in der Karibik. Saint Croix, Saint Thomas und Saint Jan gehören heute zu den US Virgin Islands (Amerikanischen Jungferninseln). Die Insel St. Croix gehörte eigentlich zu Frankreich, wurde aber 1733 von den Dänen erworben. Gleichzeitig stellt dieses Ereignis den Beginn des Zuckerrohranbaus im großen Stile dar. Die Antilleninsel sollte für den Handel erschlossen werden, und genau hier kam Flensburg mit seiner langen Schifffahrtsgeschichte gelegen. Ein Privileg des dänischen Königs erlaubte es fortan, Waren und Baumaterialien auf die dänischen Inseln St. Thomas, St. John und St. Croix zu exportieren und im Gegenzug dort angebautes Zuckerrohr zu importieren.

Neptunus: Das erste Schiff mit Rum im Flensburger Hafen

1734 sicherte sich die Westindische Kompagnie das Handelsmonopol für Zucker in Dänemark und Norwegen. Besondere Bedeutung (aus deutscher Sicht) erlangte der Zuckerhandel mit 1755 verließ die NEPTUNUS den Flensburger Hafen mit Kurs auf Dänisch-Westindien – und niemand ahnte, dass mit diesem exotischen Abenteuer Flensburgs Rhum geboren wurden und Flensburg sich zur Rum-Stadt entwickelte Flensburg als Teil des dänischen Königreiches (1460 – 1846): wichtiges Handelszentrum gemeinsam mit Kopenhagen und Altona Deutsch-Dänischer Krieg Abspaltung Flensburgs / Schleswigs bedeutete Verlust von Dänisch-Westindien als Bezugsquelle von Zuckerrohr und Rum Englische Flotte – Jamaika liefert fortan Rohstoffe Erhebung von Steuern / hohen Einfuhrzöllen – Flensburger Rumhäuser erfinden den Rum-Verschnitt aus Pure Rum Veredelung von Rum führt zum German Rum, der nur in Flensburg hergestellt wird Brennverbot von Branntwein aus Weinen – mehr Erfolg für den Rum in ganz Deutschland Mit Neptuns-Rhum wieder echter Rum aus Flensburg Zweiter Weltkrieg: die meisten Flensburger Rumhäuser wurden aufgekauft oder geschlossen Dänisch-Westindien für Flensburg. Als Haupthafen der dänischen Westindienflotte erlebte sie im 18. Jahrhundert eine Blütezeit, deren Nachwirkungen noch heute ersichtlich sind und der Flensburger Spirituosen Manufaktur als Inspiration dienten. Der von Saint Croix eingeführte Rohrzucker wurde in Flensburg raffiniert und später auch zu Rum verarbeitet. Neben Kopenhagen und Altona schaffte es Flensburg (als drittgrößte Hafenstadt), nicht nur die bedeutendste Zuckerindustrie der Herzogtümer Schleswig und Holstein zu sein, sondern auch des dänischen Gesamtstaats. Geografisch war Flensburg zwar gegenüber den anderen zwei Hafenstädten im Nachteil, doch trotzdem entfaltete sich einer reger Handel mit der Kolonie in Dänisch-Westindien. Er florierte insbesondere in der Zeit von 1755 bis 1848, wobei sich der größte Erfolg nach 1815 beobachten ließ. Neben Zuckerrohr wurden Kaffee, Tee, Edelhölzer wie Mahagoni, Tabak, Pfeffer, Baumwolle und Rum eingeführt.

Im Gegensatz zu den Reedereien aus Kopenhagen, die vom lukrativen Dreieckshandel profitierten und erst nach Afrika (z. B. nach Guinea im Westen) segelten, um Waren gegen Sklaven einzutauschen und jene Sklaven nach Dänisch-Westindien transportierten, um dort auf den Plantagen zu arbeiten, reisten die Flensburger Handelsschiffe direkt zu den karibischen Inseln, um auf der Rückkehr Kolonialwaren zu laden. Der Neutralität der dänischen Flagge schützte den Handel und löste gemeinsam mit dem Zucker einen Boom in Flensburg aus. Ab 1767 nahm auch der Pure Rum bzw. Pyre Rum einen Einfluss auf den Erfolg der Rumstadt Flensburg. In jenem Jahrgang war der Ernteertrag so schlecht, dass man es den mehr als 100 Brennereien an der Flensburger Förde verbot, aus französischen und deutschen Weinen Branntwein zu produzieren. Das wiederum führte dazu, dass jene Betriebe sich dem Rum zuwendeten, damit der norwegische Markt weiter beliefert werden konnte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand rund ein Drittel der Rumproduktion von der Karibikinsel Saint Croix seinen Weg in die Fördestadt Flensburg.

Was ist Pyre Rum / Pyre Rum wird zu Rum aus Melasse?

Rum und Zuckerrohr sind untrennbar miteinander verbunden. Nach dem Reifezyklus von zwölf Monaten wird das Zuckerrohr per Hand geerntet. Nach dem Schlagen zerkleinert man das Zuckerrohr, das aufgrund des schnellen Verderbens des Zuckerrohrsaftes am besten noch am Erntetag selbst ausgepresst wird. Die Pressung erfolgt in den eigenen Mühlen auf den Plantagen der Inseln. Man erhitzt den Zuckerrohrsaft anschließend, um ihn zu verdicken und das Kristallisieren von Zucker zu verursachen. Der braune Sirup mit Zuckerkörnern wird in durchlöcherte Fässer gegeben, in denen man den Zuckerschaum von der zähen Masse abtrennen kann. Jene Masse wird als Melasse bezeichnet und ist quasi ein Abfallprodukt der Zuckergewinnung. Gemeinsam mit den Resten der vorangegangenen Destillation verarbeitet man die zuckerhaltige Melasse zu einer Maische, die mittels Hefe vergoren wird. Ist die Fermentierung abgeschlossen, brennt man den Alkohol, der zu Rum verarbeitet wird. So ein frisch gebrannter Rum ist roh und alkoholhaltig, sodass er durch die Lagerung im Holzfass veredelt wird. Damals geschah dies bei der langen Lagerung während der Schiffsreisen nach Europa. Auf den mehrmonatigen Reisen merkten die Schiffsleute nämlich, dass der sehr starke und nicht besonders gut schmeckende Original-Rum mit längerer Lagerdauer um einiges aromatischer wurde. Der helle / junge / weniger geschliffene Rum wurde einst mehrheitlich gemixt, z. B. zu Grog, den man für die Navy Großbritanniens ins Leben rief. Die Flensburger Rumimporte stiegen immer mehr an, je deutlicher der Rum an Popularität gewann und je mehr man ihn lagerte, um seine Aromen zu entfalten. 

Vom puren Rum zum Jamaika-Verschnitt

Historische Ereignisse machten dem Ruhm der Rumstadt Flensburg einen Strich durch die Rechnung. Erst kamen die Napoleonischen Kriege, dann die Kontinentalsperre und anschließend das Ende des dänischen Gesamtstaates im Jahre 1864. Die Hafenstadt Flensburg ging an Deutschland über und die Flensburger Schiffe segelten nun unter deutscher Flagge. Man konnte die dänischen Kolonien nicht mehr als Quelle von Zuckerrohr nutzen und wendete sich daher anderen Inseln in der Karibik zu. Die damals englische Kolonie Jamaika diente fortan dem Bezug von Rum. Das Kaiserreich schütze im Jahre 1885 mit dem Reichsmonopolgesetzt die eigene Herstellung von Rum, was zu einer horrenden Versteuerung des Rumimportes führte. Aus der Not heraus entstand der Rum-Verschnitt: Flensburger Brennereien erfanden einen Verschnitt aus reinem (als Original Rum importiertem) Alkohol und Monopolbranntwein aus dem Inland. Die Mischung mit einem hohen Alkoholgehalt von 80 % vol. wurde mit weichem Quellwasser verdünnt, um den Rum Verschnitt auf eine angenehme Trinkstärke herabzusetzen. Etwa 30 Hersteller hiervon waren zu jener Zeit in Flensburg aktiv, wobei die Anzahl mit der Zeit anstieg.

Die Flensburger Spezialität mit jamaikanischer Prägung konnte jedoch nicht lange einen Boom feiern: 1920 wurde eine Grenzlandabstimmung abgehalten und die Stadt Flensburg verlor ihre Hauptabsatzmärke im Umland. Als Folge setzte man alles daran, den Rum – damals ein Küstengetränk für den Norden Deutschlands – auch im Osten und Süden des Landes bekannt zu machen. 1936 gab es durch den Nationalsozialismus bedingt ein Brennverbot. 1941 legte man über 90 % der Destillerien still, und mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs brach die Industrie komplett zusammen. Es dauerte bis 1948 (nach der Währungsreform), bis man die Rumproduktion erneut aufnahm und Flensburg wieder die Heimat von rund 30 Rumhäusern / Brennereien wurde.

Rum in der Moderne

Der Handel, die Schifffahrt und die Zuckerproduktion sowie die Rumherstellung lagen über die Jahrhunderte hinweg in den Händen einiger weniger Familien, die einen bedeutenden Status erlangten und reich wurden. Diese Flensburger Familien und Rumhäuser vermehrten gemeinsam ihren Wohlstand und investierten ihre Gewinne in diverse Besitztümer. Meist ging man über drei Generationen hinweg so vor, und noch immer lassen sich die Spuren bzw. Folgen hiervon beobachten, allen voran im Stadtbild. Da der Konsum von Zucker stetig anstieg, gab es immer mehr Investitionen in die Schifffahrt, den Handel, die Kaufmannshöfe, die heimische Wirtschaft und die Wohnkultur. 1993 eröffnete man in Flensburg das erste und einzige deutsche Rum-Museum. Dieses wurde im ehemaligen Zollpackhaus untergebracht, in dem bis vor wenigen Jahrzehnten zahlreiche Eichenholzfässer mit Pure Rum / Original Rum aus Dänisch- Westindien gelagert wurden. Die Geschichte des Rums lässt sich in Flensburg wunderbar zu Fuß erleben, beispielsweise mit einem Besuch des Rum-Museums, auf der Rum-Route oder auf dem Flensburger Kapitänsweg. Eine Flasche Rum ist in diesem Sinne ein perfektes Souvenir aus dem Flensburg-Urlaub sowie ein kultiges Geschenk. Der Rum ist ein so wichtiger Bestandteil der Flensburger Geschichte, dass es sogar eine Rum-Regatta gibt. Dabei handelt es sich um eine Wettfahrt internationaler historischer Frachtsegler, die jährlich am Wochenende nach Christi Himmelfahrt abgehalten wird und in vergangene Zeiten entführt.

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